Texte

Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen):

Meinung sagen!

SEBASTIAN KRUMBIEGEL ist bekannt geworden als die Stimme der Prinzen. Er verkaufte etliche Millionen Platten und ist seit nahezu 20 Jahren in den oberen Chart-Regionen und auf den großen Live-Bühnen zu Hause. Doch damit nicht genug: Als sozial und politisch engagierter Prominenter setzt sich SEBASTIAN KRUMBIEGEL für die verschiedensten Projekte ein. Er wirbt für Toleranz und kämpft gegen Gewalt und Rassismus. Er fliegt nach Vietnam, um das Aktionsbündnis Landmine.de zu unterstützen und lässt sich in die Bundesversammlung nominieren, um an der Wahl des Bundespräsidenten teilzunehmen. Für ihn ist es wichtig, als Künstler seine Meinung zu sagen. Anfang Februar 2010 erschien seine neue Platte TEMPELHOF und wir trafen uns am 08. Februar 2010 bei Milchkaffee und Frühstück im Leipziger “Volkshaus”, um uns mit ihm (NICHT NUR) über Comics zu unterhalten.

fanclubalex: Seit vergangenem Freitag gibt es deine neue Platte TEMPELHOF. Was erwartet den Hörer im Vergleich zum Vorgänger “Geradeaus abgebogen?”

Sebastian Krumbiegel: Vor allem ist ungewöhnlich, dass die gesamte CD live und analog in den “Candybomber Studios” in Tempelhof aufgenommen wurde, das klingt alles sehr authentisch. Wir haben gerade mal 7 Tage im Studio gestanden, das lässt TEMPELHOF quasi mächtig “old school” klingen. Inhaltlich bleibe ich mir in meinen Texten treu, ich versuche ganz einfach, meine Meinung zu sagen.

fa: Wieso eigentlich TEMPELHOF und nicht “Schönefeld” oder “Kreuz Halle/Leipzig?”

SK: Das war irgendwie Schwarwels Idee, als wir über den Plattennamen grübelten. Ich dachte an “Live in Tempelhof” und er meinte “Einfach TEMPELHOF!”, und - das hat doch was, etwas fast Biblisches, ein TEMPEL, ein HOF...

fa: Und wie kam es zum Bandnamen - DIE FEINEN HERREN?

SK: Gute Frage! (lacht) Das ist dann wohl, um den Kontrast zwischen Sänger und Band darzustellen. Die 3 “Feinen Herren” sind 3 hervorragende Berliner Musiker, Max Fetzer, Thomas Fietz und Stephan Schulz, ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, welche Vielfalt an guten Musikern die Stadt Berlin birgt!

fa: Vor einigen Jahren führten wir ein Interview mit deinem Bandkollegen Tobias Künzel, der sich als wahrer MOSAIK-Experte entpuppte, er sagte, dass du dich eher wenig für das Heft interessieren würdest. Andere Musiker wie beispielsweise Dirk Zöllner, André Herzberg oder Alf Ator haben uns ebenfalls von ihrer MOSAIK-Leidenschaft berichtet.

SK: Da sieht man´s mal wieder: Ich kenne Tobias nun seit 35 Jahren, aber offenbar kennen wir uns doch nicht SO gut! NATÜRLICH war und BIN ich auch Mosaikfan! Beim Sammeln half mir als Kind meine Mutter, wir hatten Beziehungen zu einem Leipziger Buchbinder, der dafür sorgte, dass meine Hefte einen einigermaßen guten (gebundenen) Zustand beibehalten konnten. Ich habe alle Hefte gekauft, später auch alle Reprintmappen. Ich erinnere mich, dass mein erstes Heft IN DEN SÜMPFEN VON FLORIDA war, also die Amerikaserie. Don Pedro war mein Held! Die ganz frühen Hefte habe ich erst später kennen gelernt. Als Kind holte ich mir die Hefte aus einem Zeitschriftenladen in Gohlis, Lützow-/Ecke Virchowstraße, dort wurden sie extra für mich aufgehoben, weil meine Oma “gute Kontakte” hatte.

fa: 1999 erschien die in Sammlerkreisen als Rarität gehandelte Comic-Anthologie “10 Jahre friedliche Revolution”, für die du das Vorwort geschrieben hast. Neben Schwarwel oder Ulrich Forchner gab es darin auch einen Onepager von Jens Fischer und Sascha Wüstefeld, 2 Mosaikzeichnern, die unter dem Pseudonym “Die 3 Amigos” auftraten. Wie kam es zu dieser Idee?

SK: Das war, wie so Vieles, Schwarwels Idee, ich kenne ihn seit Mitte der Neunzigerjahre, weiß selbst nicht mehr genau, wann und wo unsere Freundschaft begann. Aber das Heft gefällt mir! Ich habe selbst keines mehr davon, leider!

fa: Viele Comiczeichner sind auch musikalisch unterwegs bzw. unterwegs gewesen. Als Beispiele fallen mir da Fil, Klaus Cornfield oder eben Schwarwel ein. Wie sieht es umgedreht aus? Schlummert in dir auch ein zeichnerisches Talent?

SK: Wohl eher nicht. Auf meine Autogramme kritzele ich aber oft eine kleine Karikatur von mir, das ist schon alles, kann ich ja gern mal für euch machen.

fa: Apropos Karikatur: Dir ist sicher eine Figur aus dem SCHWEINIVERSUM bekannt: Prinz Sebastian. Wie gefällt sie dir?

SK: Ach, das ist doch das Schönste, was dir passieren kann! Wenn man in der Öffentlichkeit steht, polarisiert man ja immer. Da gibt es welche, die finden dich toll und Leute, die sagen “Krumbiegel nervt!”. Und Persiflagen sind immer herrlich. Peinlich sind nur die Menschen, die dann nicht über sich selbst lachen können. Also: Ich STEHE zu Prinz Sebastian!

fa: Wie ist der Song “Sag Gna” (HIER ALS mp3-DOWNLOAD!) entstanden, den du komponiert hast und den dein Sohn Paul singt?

SK: Das ging unheimlich schnell! Ich saß in Schwarwels Wohnung am Klavier, er hatte den Text und ich klimperte vor mich hin, die Melodie kam sofort! Schwarwels Idee war es, dass nicht ich, sondern Paul das singen könnte, er singt ja im Gewandhaus-Kinderchor.

fa: Im Schweinevogel-Trickfilm synchronisierst du Professor Eisenstein. Kannst du uns mehr dazu erzählen?

SK: Ich hatte vorher noch nie synchronisiert, nur ein wenig für den Film “Max und Moritz reloaded” und weil ich damals gerade unterwegs war, habe ich meinen Text zur Probe auf mein i-phone gesprochen und die Daten nach Leipzig geschickt, ich hab das heute noch drauf! (Spielt uns die Aufnahmen vor.) Sehr lustig geworden, hat Spaß gemacht!

fa: Zum Schluss noch einige Assoziationsfragen, die Stichworte haben wir nach Songs der TEMPELHOF-CD gewählt:

SEHNSUCHT: Nach Sachen, die ich noch nicht gemacht habe, nach Ländern, nach Dingen, die ich lernen könnte und Menschen, von denen ich lernen könnte.

DURCH DIE NACHT: (Was las der kleine Sebastian früher im Bett?) Neben dem Mosaik vor allem Jules Verne, Karl May, alle Bücher der Reihe “Spannend Erzählt”, ganz besonders gern erinnere ich mich auch an “Abenteuer in der Haifischbucht” und “Der Neger Nobi”! Heute lese ich übrigens unheimlich gern das “Lustige Taschenbuch”!

DEINE MEINUNG: (...zu Leipzig) Definitiv meine Lieblingsstadt! Weltoffen und ein “Provinzding” zugleich, eine feine, aber überschaubare Szene, eine extreme Vermischung von “Kasten”, in der man den Punk mit dem Schlipsträger ins Gespräch vertieft auf Konzerten oder in Kneipen treffen kann.

ZEITUNG: Ganz einfach: Man darf wirklich nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, wie es auch im Song heißt.

POSITIV DENKEN: Nein, diesmal sollst du nicht antworten! WIR denken einfach mal positiv und hoffen, dich zum Beispiel einmal bei unserem Leipziger Comicstammtisch begrüßen zu können! Wir wünschen viel Erfolg mit TEMPELHOF, geben eine dicke Kaufempfehlung und bedanken uns für das nette Gespräch!

SK: ICH habe zu danken!

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